Schmerzbehandlung mit wingwave® - Beschreibung einer Sitzung
Frau H. ist heute zu mir in die Praxis gekommen und berichtet über starke Schmerzen
in der linken Schulter, die im Laufe der letzten 6 Monate deutlich stärker geworden sind.
Einerseits mag es daran liegen, dass sie bis vor 5 Monaten immer den Riemen der Handtasche
auf dieser Schulterseite trägt, andererseits hat ihr ein Physiotherapeut nach eingehender
Untersuchung mitgeteilt, dass eigentlich alles in Ordnung sein sollte. So bewirkten auch
die Massagen keine nachhaltige Besserung.
Wir sprechen über den Schmerz, der ja aus vielen unterschiedlichen Gründen auftreten kann,
immer als Signal dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist. Manchmal jedoch hält der Schmerz
länger an, als erwartet. Dies kann zu Veränderungen des Nervensystems führen, das wiederum
den Schmerz aufrechterhält. Auf diese Weise wird der Schmerz vom Nervensystem ‚festgehalten'.
wingwave® in Verbindung mit EMDR und dem kinesiologischen Myostatiktest ist ein Verfahren, dass das Nervensystem so stimuliert, dass sich das Schmerzerleben verändert, abmildert oder auflöst.
EMDR bedeutet Eye-Movement-Desensitization and Reprocessing, also Desensibilisierung und Neubearbeitung durch Augenbewegungen; es bewirkt eine Gehirn-Hemisphärenstimulation, genauer gesagt eine Stimulation des orbitofrontalen Kortex, d.h. die rechte und linke Gehirnhälfte über der Augenpartie.
Neuere Forschungen haben ergeben, dass neben der schnellen rechts-links-Augenbewegung diese Stimulation auch über z.B. die Handinnenflächen, die locker auf den Oberschenkeln liegen, durchgeführt werden kann, man spricht dann von einem sogenannten ‚tappern'.
Wir entscheiden uns für das Tappern auf den Handinnenflächen als Processing-Methode, nachdem wir weitere Möglichkeiten getestet haben.
Anschließend führen wir einen Myostatiktest durch. Frau H. drückt Zeigefinger und Daumen einer Hand zusammen und ich ziehe diesen O-Ring auseinander, während Frau H. gut hält, gleichmäßig weiteratmet und nach vorne sieht mit einem guten Gedanken. Die Finger sollten stabil fest halten. Anschließend hält Frau H. in der anderen Hand eine batteriebetriebene Uhr, die für die Muskulatur einen Störfaktor darstellt. Die, wieder zu dem O, gehaltenen Finger der anderen Hand lassen sich jetzt leicht öffnen, ähnlich dem Sprichwort: ‚da werden mir bei Stress die Knie weich', die Muskulatur reagiert mit einem schwach Tonus.
Da wir im Vorfeld noch nicht wissen, wie das Nervensystem von Frau H. auf wingwave®
reagieren wird, empfehle ich Frau H., eine eine offene und neutrale innere Haltung zu
bewahren und einfach nur erst einmal die sinnlichen Qualitäten des Schmerzes zu beobachten.
Anfangs mag es sein, dass die Intensität des Schmerzes keine Veränderung zeigt, oder dieser
sogar noch ansteigt.
Dies lässt sich mit der Dornröschen-Metapher erklären: Als Dornröschen und mit ihr das
ganze Schloss wieder erwachte, gab der Koch dem Küchenjungen die Ohrfeige, zu der er gerade
angesetzt hatte, als alle in den 100jährigen Schlaf fielen. Das bedeutet, das Gefühl kann
unter Umständen erst noch einmal aufleben, bevor es abklingt.
Sollte der Schmerz zu stark werden beim Processing, kann Frau H. durch das Heben einer Hand
ein Stopp-Signal geben. Ansonsten wird das Nervensystem ganz von selbst reagieren beim
Processing, so dass Frau H. selbst nur beobachten und es geschehen lassen kann.
Gemeinsam überprüfen wir dann, was Frau H. erlebt. Dazu muss ich als Rückmeldung genau
wissen, wie sich der Schmerz anfühlt. Manchmal wird es Veränderungen geben, manchmal nicht.
Es muss nichts Bestimmtes dabei herauskommen, zunächst geht es nur darum, die Beobachtung
zu schulen und zuzulassen, was immer auch geschieht, ähnlich einer wissenschaftlichen Studie.
Nun erkundige ich mich nach einem ‚gedachten' sichern Ort von Frau H. Sie wählt für sich das Sofa im Wohnzimmer, von wo sie aus dem Fenster auf eine Kastanie an einem sonnigen Frühlingstag blickt. Der Myostatiktest bestätigt mit einer festen Muskelkraft diesen Ort mit dem Sicherheitsaspekt.
Als nächstes bitte ich Frau H. mir den Schmerz in der linken Schulter sehr genau zu beschreiben. Sie beschreibt den Schmerz als etwas gelblich grünes, länglich, ähnlich einem Blatt, dass dem Herbstwind ordentlich standhalten muss. Der Myostatiktest bestätigt dass dies die richtige Beschreibung des Schmerzes ist.
Auf die Frage nach ihren Gedanken über sich selbst, die den Schmerz begleiten, antwortet Frau H.: ‚Ich fühle mich belästigt. Ich bin ihm irgendwie ausgeliefert.'
Frau H., was möchten Sie idealerweise über sich denken können, wenn Sie an ihren Schmerz denken'. Als Frau H. nichts einfällt, zeige ich Ihr eine Liste mit möglichen Sätzen. Spontan entscheidet sie sich für: ‚Ich verdiene Gutes'. Auf einer Skala von 1(ganz falsch) - 6 (völlig glaubwürdig) stimmt dieser Satz etwas Skala 2, auch der Myostatiktest zeigt, dass er jetzt für diese Situation noch nicht richtig passt.
Als nächstes frage ich nach dem Gefühl, das den Schmerz begleitet. Frau H. stellt fest, dass sie auf den Schmerz wütend ist. Der Myostatiktest bestätigt diese Emotion.
Auf einer Skala von -10 (total belastend) bis +10 (max. angenehm) zeigt sich nun, wie sehr der
Schmerz im Moment zu spüren ist. Frau H. zeigt auf der Skala auf -7.
Frau H. soll jetzt den Schmerz genau so beobachten, wie sie ihn gerade beschrieben hat, als
gelblich-grünes längliches Blatt, dass gegen den Herbstwind standhalten muss.
Danach ‚tapper' ich bei Frau H. auf die Handinnenflächen in einem Rhythmus von 30 - 50 x, bitte ich sie tief Luft zu holen und frage nach der Wahrnehmung.
Das Blatt verändert seine Position, um dem kräftigen Herbstwind besser begegnen zu können' berichtet Frau H., und nach einigen weiteren Processing-Sets zur bilateralen Stimulation sowie Wahrnehmungsberichten von Frau H., hat sich auch die Qualität der Schmerzwahrnehmung deutlich verändert. Jetzt fühlt er sich eher an wie Windhauch an einem lauen Sommertag. Das Wort Windhauch steht jetzt als Ankerwort für dieses Gefühl und ich ‚ankere' es, indem ich meine Finger langsam vor Frau H.'s Augen hin- und her bewege, über alle Sinneskanäle und sie dieser Bewegung mit den Augen folgt.
Abschließend frage ich nach der Gültigkeit des neuen Satzes ‚ Ich verdiene Gutes' und auf der Skala von 1 (ganz falsch) bis 7 ( ganz wahr) zeigt Frau H. auf die 6. Auf der Belastungsskala von -10 total belastend bis + 10 (max. angenehm) erhält das Gefühl in der linken Schulter jetzt eine +2. Der Myostatiktest zeigt ebenfalls ein starkes Ergebnis, was bedeutet, das das Empfinden in der Schulter ohne negative Aspekte bleibt.
Beim Verabschieden erzähle ich Frau H. die Metapher vom Backofen, der ja auch nach dem Ausschalten noch eine ganze Weile die Wärme hält und der ‚Gedanken-Saat', diese wingwave®-Sitzung wirkt nach wissenschaftlichen Untersuchungen bis zu 6 Wochen nach.
Frau H. rief mich nach 14 Tagen an um mir mitzuteilen, dass es bei dem Windhauch in der Schulter ab und an, aber immer seltener, geblieben sei.